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Provisionsmodelle im Vertrieb: Arten, OTE und Gestaltung

So gestalten Sie ein Provisionsmodell für den Vertrieb, das in Europa funktioniert: alle Modelle im Vergleich, Pay-Mix und OTE je Rolle, Quoten, Akzeleratoren, Obergrenzen und Rückforderungen, die rechtlichen Punkte, die HR prüfen muss, und wie oft Vertriebs-Stellenanzeigen 2026 Provisionen nennen.

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Frau mit Brille und Headset arbeitet an einem Laptop mit Haftnotizen, während sich hinter ihr zwei Kollegen mit Headsets unterhalten

Ein Provisionsmodell im Vertrieb ist das Regelwerk, das Vertriebsergebnisse in Vergütung umwandelt: was Sie messen, wie viel jeder Abschluss oder jeder Prozentpunkt der Quote wert ist und wann ausgezahlt wird. Die meisten angestellten Vertriebsmitarbeitenden in Europa erhalten Grundgehalt plus Provision, oft ausgedrückt als On-Target Earnings (OTE): die Gesamtvergütung bei 100 % Quotenerfüllung.

Dieser Leitfaden vergleicht die sieben wichtigsten Provisionsarten im Vertrieb, nennt typische Pay-Mixes und die OTE-Logik je Vertriebsrolle und erklärt Quoten, Akzeleratoren, Obergrenzen und Rückforderungen anhand eines durchgerechneten Auszahlungsbeispiels. Außerdem behandelt er die europäischen Rechtsfragen, die die meisten US-zentrierten Leitfäden auslassen, vom Urlaubsentgelt über Betriebsräte bis zur Entgelttransparenz, sowie TalentUp-Daten dazu, wie oft Vertriebs-Stellenanzeigen 2026 Provisionen nennen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Grundgehalt plus Provision ist in Europa der Standard; reine Provision ist bei Angestellten selten, weil Mindestlohnregeln gelten.
  • Legen Sie den Pay-Mix je Rolle fest: Je mehr eine Rolle den Abschluss steuert, desto mehr Vergütung kann variabel sein.
  • Ein guter Plan regelt Quote, Provisionssatz, Akzeleratoren, Obergrenze und Rückforderungen schriftlich, bevor der Zeitraum beginnt.
  • In der EU zählen Provisionen beim Urlaubsentgelt (Lock v British Gas) und sind Entgelt im Sinne der Entgelttransparenzrichtlinie.
  • In der TalentUp-Stichprobe 2026 nennen 11,5 % der Vertriebsanzeigen Provision oder OTE, von 28,0 % im Vereinigten Königreich bis 2,9 % in Belgien.
  • Britische Anzeigen, die beide Werte nennen, setzen das Grundgehalt im Median bei etwa 65 % des OTE an, also ungefähr einen 65/35-Mix.

Was ist ein Provisionsmodell im Vertrieb?

Eine Provision ist variable Vergütung, die für einen erfolgten Verkauf gezahlt wird, meist als Prozentsatz von Umsatz, Marge oder Auftragseingang oder als Anteil an einem Zielbetrag bei Erreichen der Quote. Ein Provisionsmodell, auch Provisionsplan, legt alle Regeln für ihre Berechnung fest:

  • Berechtigte Rollen und die Kennzahl (Umsatz, Bruttomarge, neuer wiederkehrender Jahresumsatz, Stückzahlen, Verlängerungen).
  • Provisionssatz oder Zielincentive und die zugehörige Quote.
  • Stufen, Akzeleratoren, Dezeleratoren und Obergrenzen, die den Satz mit steigender Leistung verändern.
  • Zurechnungsregeln: wann ein Abschluss zählt (Unterschrift, Rechnung oder Zahlung) und wie geteilte Abschlüsse aufgeteilt werden.
  • Auszahlungszeitpunkte, Rückforderungen und der Umgang mit Ein- und Austritten.

Provision ist eine Form der variablen Vergütung. Zu Boni, Gewinnbeteiligung und langfristigen Anreizen lesen Sie unseren Grundlagenleitfaden zur variablen Vergütung; dieser Artikel behandelt ausschließlich Vertriebsprovisionen.

7 Provisionsarten im Vertrieb im Vergleich

Die meisten Unternehmen kombinieren zwei oder drei dieser Mechanismen, zum Beispiel ein Grundgehalt plus gestaffelte Provision mit einem Team-Kicker.

Art Funktionsweise Geeignet, wenn Hauptrisiko
Reine Provision 100 % der Vergütung sind Provision, kein Grundgehalt Selbstständige Vertreter, sehr kurze Verkaufszyklen Schwankendes Einkommen; bei Angestellten selten mit dem Mindestlohn vereinbar
Grundgehalt + Provision Fixgehalt plus ein % des Umsatzes oder eine Zielprovision Die meisten angestellten Vertriebsrollen Schwacher Leistungsbezug, wenn der Provisionsanteil zu klein ist
Gestaffelt / Akzeleratoren Satz steigt ab Schwellen (z. B. 100 % der Quote) Übererfüllung im Neukundengeschäft belohnen Verschieben von Abschlüssen in den nächsten Zeitraum (Sandbagging)
Bruttomarge Provision auf den Deckungsbeitrag statt auf den Umsatz Häufige Rabatte oder je nach Produkt unterschiedliche Margen Vertrieb braucht verlässliche Margendaten
Bestandsprovision Laufende Provision auf wiederkehrende Umsätze mit Bestandskunden Abonnements, Versicherungen, Account Management Bezahlung für Umsatz, den die Person nicht mehr beeinflusst
Provisionsvorschuss (Draw) Vorschuss je Periode, verrechnet mit verdienter Provision Neue Mitarbeitende in der Einarbeitung, saisonaler Vertrieb Aufbau von Schulden, wenn der Vorschuss rückforderbar ist
Team / Pool Provision auf Basis der Teamergebnisse, nach Regel aufgeteilt Komplexer Vertrieb mit SDRs, AEs und Sales Engineers Trittbrettfahrer und geringere individuelle Motivation

Innerhalb dieser Arten sind zwei weitere Varianten verbreitet: die Gebietsprovision, die auf alle Verkäufe in einem Gebiet gezahlt wird, und Multiplikator-Modelle, bei denen eine Auszahlung für ein strategisches Produkt oder eine zweite Kennzahl wie Kundenbindung mit einem Faktor multipliziert wird.

So berechnen Sie jede Art: Beispiele für Provisionssätze

Art Beispielregel Ergebnis
Reine Provision 10 % von 40.000 € Monatsumsatz 4.000 €
Grundgehalt + Provision 3.000 € Grundgehalt im Monat + 5 % von 40.000 € 5.000 €
Gestaffelt 4 % bis 900.000 € Jahresauftragseingang, 8 % darüber 1,1 Mio. € Auftragseingang → 36.000 € + 16.000 € = 52.000 €
Bruttomarge 15 % von 120.000 € Marge auf 400.000 € Umsatz 18.000 €
Bestandsprovision 2 % von 500.000 € wiederkehrendem Umsatz im Bestand 10.000 € pro Jahr
Vorschuss 1.500 € Vorschuss im Monat, 900 € verdient Auszahlung 1.500 €; 600 € werden mit künftiger Provision verrechnet, falls rückforderbar

Dies sind Beispielrechnungen, keine Marktsätze. Der richtige Satz hängt von Ihren Margen, der Auftragsgröße und dem Pay-Mix ab.

Pay-Mix und OTE je Vertriebsrolle

Der Pay-Mix ist die Aufteilung des OTE in Grundgehalt und Zielprovision. Eine gängige Gestaltungsregel lautet: Je mehr eine Rolle steuert, ob der Abschluss zustande kommt, desto mehr ihrer Vergütung kann variabel sein. Die folgenden Spannen sind übliche Ausgangspunkte für die Gestaltung, keine Umfrageergebnisse: Kalibrieren Sie sie mit Marktdaten für Ihre Rollen und Länder.

Rolle Wichtigste Provisionskennzahl Gestaltungsspanne (Fix / variabel vom OTE)
SDR / BDR Qualifizierte Termine, generierte Pipeline 70/30 bis 80/20
Account Executive (AE) Neuer Auftragseingang oder neuer ARR 50/50 bis 60/40
Account Manager / KAM Verlängerungen, Ausbau, Kundenbindung 70/30 bis 85/15
Sales Engineer / Presales Auftragseingang von Team oder Region 70/30 bis 80/20
Vertriebsleitung Quotenerfüllung des Teams 60/40 bis 70/30
Einzelhandel und Filialverkauf Filial- oder Einzelumsatz Überwiegend fix, kleine Provision oder Prämie

So funktioniert OTE. Ein AE mit 90.000 € OTE und einem 60/40-Mix hat 54.000 € Grundgehalt und 36.000 € Zielprovision. Liegt die Jahresquote bei 900.000 € Neuauftragseingang, beträgt der Basis-Provisionssatz 4 % (36.000 € ÷ 900.000 €).

Marktdaten liefern einen Realitätscheck. In der TalentUp-Stichprobe 2026 britischer Vertriebsanzeigen, die sowohl ein Grundgehalt als auch einen OTE nennen, liegt das Grundgehalt im Median bei etwa 65 % des OTE (mittlere Hälfte: 55–75 %), also ein Mix von ungefähr 65/35, und der genannte Median-OTE liegt bei etwa 48.000 £. Diese Anzeigen mischen Junior-Telesales, Außendienst und SaaS-Rollen; nutzen Sie sie daher als Marktsignal, nicht als Zielwert für eine bestimmte Rolle. Wie Sie Grundgehalt und Gesamtvergütung nach Rolle und Land vergleichen, lesen Sie unter wie Vertriebspositionen in verschiedenen Märkten bezahlt werden und in der Methodik von TalentUp.

Wie oft Vertriebsanzeigen 2026 Provisionen nennen: TalentUp-Daten

11,5 %

der Vertriebs-Stellenanzeigen nennen Provision oder OTE

28,0 %

im Vereinigten Königreich, gegenüber 2,9 % in Belgien

25,9 %

der Anzeigen für Account Executives und 22,7 % der Anzeigen für SDR/BDR nennen Provision

11,3 %

der britischen Vertriebsanzeigen nennen einen OTE-Betrag

Quelle: TalentUp-Datenbank für Stellenanzeigen, Januar–September 2026, rund 22.400 Vertriebs-Stellenanzeigen aus 11 Ländern in der Stichprobe.

Provisionen werden seltener beworben, als viele annehmen. In einer Zufallsstichprobe von rund 22.400 Stellenanzeigen für Angestellte im Vertrieb mit vollständiger Beschreibung nennen 11,5 % Provision oder OTE, und 4,1 % versprechen eine ungedeckelte Provision oder variable Vergütung.

Land Anzeigen mit Provision oder OTE Ungedeckelte Provision oder variable Vergütung Anzeigen mit dem Begriff OTE
Vereinigtes Königreich 28,0 % 10,8 % 13,1 %
Irland 18,7 % 4,8 % 6,3 %
Portugal 13,4 % 2,0 % 0,9 %
Spanien 11,8 % 2,9 % 1,2 %
Polen 10,5 % 1,6 % 0,1 %
Schweden 9,9 % 4,8 % 0,4 %
Deutschland 8,6 % 2,9 % 0,2 %
Frankreich 7,4 % 6,9 % 0,7 %
Italien 6,4 % 0,9 % 0,5 %
Niederlande 3,5 % 1,8 % 1,1 %
Belgien 2,9 % 1,0 % 0,2 %

Was auffällt:

  • Das Vereinigte Königreich ist der Provisionsmarkt. Mehr als ein Viertel der britischen Vertriebsanzeigen nennt Provision, jede zehnte verspricht sie ungedeckelt, und 11,3 % nennen einen OTE-Betrag. In Irland tun das 4,8 %, in den übrigen neun Ländern unter 1 %.
  • Frankreich spricht von „Variable“, nicht von „Provision“. Nur 7,4 % der französischen Vertriebsanzeigen nennen Provision, aber 6,9 % versprechen eine ungedeckelte variable Vergütung (variable déplafonné), der zweithöchste Wert nach dem Vereinigten Königreich.
  • Die Rolle zählt mehr als das Land. Provision wird in 25,9 % der Anzeigen für Account Executives und 22,7 % der Anzeigen für SDR/BDR genannt, gegenüber 10,4 % bei Vertriebsleitung, 10,2 % bei Account Management und 9,4 % im Einzelhandelsverkauf.
  • OTE ist noch eine angelsächsische Konvention. Selbst AE- und SDR-Anzeigen verwenden den Begriff OTE in den 11 Ländern nur in etwa 8–9 % der Fälle.

Die praktische Lehre: Wenn Ihre Vertriebsrolle eine nennenswerte Provision hat, nennen Sie OTE und Grundgehalt in der Anzeige. Kandidatinnen und Kandidaten vergleichen die Gesamtvergütung, und wo Gesetze zur Entgelttransparenz gelten, fragen sie ohnehin danach (siehe Stellenanzeigen unter der EU-Entgelttransparenzrichtlinie).

So gestalten Sie ein Provisionsmodell: Quoten, Akzeleratoren und Obergrenzen

  1. Beginnen Sie bei der Vertriebsstrategie. Legen Sie fest, was der Plan in diesem Jahr fördern soll: Neukunden, Ausbau, Marge, ein neues Produkt. Eine Hauptkennzahl je Rolle, höchstens zwei.
  2. Legen Sie OTE und Pay-Mix je Rolle und Ebene fest, abgeglichen mit der Gesamtvergütung am Markt, nicht nur mit dem Grundgehalt.
  3. Leiten Sie Quoten aus Kapazitäts- und Pipelinedaten ab, nicht einfach aus dem Vorjahr plus Wachstumsrate. Ein Plan, bei dem die meisten Vertriebsmitarbeitenden die Quote verfehlen, motiviert nicht mehr und wird zur versteckten Gehaltskürzung.
  4. Leiten Sie den Provisionssatz ab: Zielprovision ÷ Quote.
  5. Ergänzen Sie Akzeleratoren über 100 %, damit Übererfüllung pro Euro mehr bringt, und erwägen Sie Dezeleratoren oder eine Obergrenze ab einem sehr hohen Niveau, um Zufallsgewinne zu begrenzen.
  6. Halten Sie Zurechnungs-, Zeit- und Rückforderungsregeln schriftlich fest, auch für Austritte, Eintritte, Gebietswechsel und geteilte Abschlüsse.
  7. Modellieren Sie die Kosten für ein schwaches, normales und starkes Jahr vor dem Start.

Durchgerechnetes Auszahlungsbeispiel

Ein AE hat 90.000 € OTE (60/40): 54.000 € Grundgehalt, 36.000 € Zielprovision und eine Jahresquote von 900.000 €. Der Plan zahlt:

Auftragseingang vs. Quote Satz auf den Auftragseingang in diesem Band Logik
0–100 % 4 % Basissatz (36.000 € ÷ 900.000 €)
100–150 % 8 % Akzelerator 2x
Über 150 % 6 % Dezelerator zur Begrenzung von Zufallsgewinnen
Zielerreichung Auftragseingang Provision Gesamtvergütung
80 % 720.000 € 28.800 € 82.800 €
100 % 900.000 € 36.000 € 90.000 €
130 % 1.170.000 € 36.000 € + 21.600 € = 57.600 € 111.600 €
170 % 1.530.000 € 36.000 € + 36.000 € + 10.800 € = 82.800 € 136.800 €

Manche Pläne ergänzen eine Schwelle (zum Beispiel keine Provision unter 50 % der Quote) oder eine harte Obergrenze (zum Beispiel 200 % der Zielprovision). Obergrenzen senken das Kostenrisiko, können Top-Performer aber dazu bringen, Abschlüsse zurückzuhalten; deshalb bevorzugen viele Unternehmen einen Dezelerator. Zur verhaltenspsychologischen Seite dieser Entscheidungen lesen Sie die Psychologie hinter Bonusstrukturen.

Patrick Trümpi, Schweizer Chief Revenue Officer, der in mehreren europäischen B2B-Start-ups Vertriebsteams aufgebaut hat, plädiert dafür, sowohl Schwellen als auch Obergrenzen abzuschaffen und nur Akzeleratoren zu behalten:

Patrick Trümpi Patrick TrümpiChief Revenue Officer, B2B-SaaS

Keine Obergrenze und kein Mindestbetrag, um Provisionen zu bekommen. Beides führt zu wirklich dummem Verhalten. Wenn es einen Mindestbetrag gibt, um Provisionen zu erreichen, stauen Vertriebler Abschlüsse auf und sorgen dafür, dass sie alle in einem Quartal landen. Wenn es eine Obergrenze gibt, sorgen sie dafür, dass Abschlüsse ins nächste Quartal verschoben werden, falls sie die Grenze in einem Quartal schon erreicht haben.

Oktober 2025 · Aus dem Englischen übersetzt Auf LinkedIn lesen →

Rückforderungen und Auszahlungszeitpunkt

Der Auszahlungszeitpunkt prägt das Verhalten: Monatliche oder quartalsweise Provisionen halten den Bezug zur Leistung eng, jährliche Auszahlungen fördern die Bindung, schwächen aber die Motivation (siehe ob jährliche Auszahlungen noch funktionieren). Legen Sie klar fest, ob ein Abschluss bei Unterschrift, Rechnungsstellung oder Zahlung durch den Kunden angerechnet wird.

Oft gibt das nationale Recht die Standardregel vor:

  • Spanien: Der Provisionsanspruch entsteht, wenn das Geschäft abgeschlossen und bezahlt ist, und wird, sofern nichts anderes vereinbart ist, am Jahresende abgerechnet und ausgezahlt; Beschäftigte und ihre Vertretung können Einsicht in die relevanten Teile der Bücher verlangen (Estatuto de los Trabajadores, Art. 29.2).
  • Deutschland: Für Angestellte mit Provision gelten die Vorschriften für Handelsvertreter (HGB §65). Der Arbeitgeber muss monatlich über die Provision abrechnen, verlängerbar auf höchstens drei Monate, spätestens bis zum Ende des Folgemonats, und Beschäftigte können einen Buchauszug verlangen (HGB §87c). Der Provisionsanspruch entfällt, wenn feststeht, dass der Kunde nicht zahlt; bereits empfangene Beträge sind zurückzugewähren (HGB §87a).

Rückforderungen (Clawbacks) machen Provisionen rückgängig, wenn ein Kunde storniert, nicht zahlt oder innerhalb einer bestimmten Frist abwandert. Halten Sie sie eng, zeitlich begrenzt und im Voraus schriftlich geregelt. Im Vereinigten Königreich etwa darf ein Arbeitgeber nur dann vom Lohn abziehen, wenn ein Gesetz, eine schriftliche Vertragsklausel oder die vorherige schriftliche Zustimmung der beschäftigten Person dies erlaubt (Employment Rights Act 1996, s.13). Die Verrechnung mit künftigen Provisionen ist in der Regel sicherer als eine Rückzahlungsforderung.

Manche Vertriebsverantwortliche gehen weiter und zahlen einen Teil der Provision erst, wenn der Kunde erfolgreich ist, statt sie nach einer Kündigung zurückzufordern. Matt Green, Mitgründer und CRO der Vertriebsleitungs-Community Sales Assembly, beschreibt einen Plan, der 8 % des ARR bei Unterschrift zahlt sowie Boni für Go-live, Ergebnisse und Ausbau:

Matt Green Matt GreenMitgründer und Chief Revenue Officer, Sales Assembly

Vergütungspläne belohnen die Unterschrift. Punkt. Egal, ob der Kunde live geht. Egal, ob er seine Ziele erreicht. Egal, ob er ausbaut oder abwandert. […] Vertriebler fangen an, im Verkaufsprozess andere Fragen zu stellen […] Sie hören auf, zu viel zu verkaufen. Sie qualifizieren strenger. Ihnen liegt die Bereitschaft des Kunden am Herzen, weil ihre Vergütung davon abhängt.

Januar 2026 · Aus dem Englischen übersetzt Auf LinkedIn lesen →

Vorschüsse und Garantien helfen neuen Mitarbeitenden in der Einarbeitung. Ein nicht rückforderbarer Vorschuss ist ein garantiertes Minimum; ein rückforderbarer Vorschuss ist eine Vorauszahlung, die mit späteren Provisionen verrechnet wird. Begrenzen Sie daher den Übertrag und schreiben Sie einen Restsaldo beim Austritt ab, wo das lokale Recht es verlangt. Viele Unternehmen nutzen stattdessen eine garantierte Provision für die ersten ein bis drei Monate, wie mehrere Anzeigen von 2026 in unserer Stichprobe. Zu einmaligen Zahlungen bei der Einstellung lesen Sie unseren Beitrag zu Antrittsprämien.

Europäische Rechtsfragen bei Provisionsmodellen

US-orientierte Leitfäden behandeln diese Punkte selten, doch sie entscheiden darüber, ob ein Plan in Europa durchsetzbar ist. Lassen Sie die Details immer von lokalen Rechtsberatern bestätigen.

Thema Was gilt Praktische Folge
Urlaubsentgelt EuGH, Lock v British Gas (C-539/12, 22. Mai 2014): Das Urlaubsentgelt darf nicht auf das Grundgehalt beschränkt werden, wenn Beschäftigte Provisionen auf Verkäufe erhalten Durchschnittliche Provision in das Entgelt für mindestens die vier Wochen EU-Mindesturlaub einbeziehen
Mindestlohn Beschäftigte müssen unabhängig von ihren Verkäufen mindestens den gesetzlichen oder tariflichen Mindestlohn erhalten Reine Provision ist bei Angestellten selten tragfähig; Grundgehalt oder garantiertes Minimum vorsehen
Schriftliche Bedingungen Richtlinie (EU) 2019/1152, Art. 4 Abs. 2 Buchst. k: Der Arbeitgeber muss innerhalb von sieben Kalendertagen nach Arbeitsbeginn über das Entgelt einschließlich aller Bestandteile sowie über Häufigkeit und Art der Auszahlung informieren Allen Teilnehmenden einen schriftlichen Provisionsplan aushändigen und Änderungen dokumentieren
Betriebsrat (Deutschland) BetrVG §87 Abs. 1 Nr. 10 und 11: Mitbestimmung bei Grundsätzen der Lohngestaltung und bei leistungsbezogenen Entgelten Einführung oder Änderung eines Provisionsplans braucht in der Regel die Zustimmung des Betriebsrats, sofern einer besteht
Steuern und Sozialversicherung An Angestellte gezahlte Provisionen gelten in den meisten europäischen Ländern als Arbeitslohn für Einkommensteuer und Sozialversicherung Wie das Grundgehalt abrechnen; kollektive Modelle können Sonderregeln unterliegen (siehe variable Vergütung)

Der Punkt zum Urlaubsentgelt wird oft übersehen. Im Fall Lock verlor ein Vertriebsberater mit Grundgehalt plus monatlicher Provision in den Monaten nach seinem Urlaub Einkommen, weil er während seiner Abwesenheit keine Verkäufe erzielt hatte. Der Gerichtshof entschied, dass dieser verzögerte Verlust Beschäftigte vom Urlaub abhalten könnte; deshalb muss die Provision in das Urlaubsentgelt einfließen. Den Referenzzeitraum für die Durchschnittsberechnung bestimmen die nationalen Gerichte. Zu Urlaubsansprüchen nach Land lesen Sie Urlaubstage in Europa.

Provisionsmodelle und die EU-Entgelttransparenzrichtlinie

Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie (2023/970) definiert Entgelt als Grundgehalt plus alle zusätzlichen oder variablen Bestandteile; Provision ist also Entgelt. Die Umsetzungsfrist endete am 7. Juni 2026, und die Pflichten gelten über die nationalen Gesetze, sobald der jeweilige Mitgliedstaat sie umgesetzt hat.

Für Provisionsmodelle bedeutet das:

  • Objektive, geschlechtsneutrale Kriterien. Quoten, Gebiete, Kundenzuteilung und Akzeleratoren müssen auf dokumentierten Kriterien beruhen, die Beschäftigte anfordern können.
  • Berichterstattung über das Gefälle bei variabler Vergütung. Arbeitgeber berichten über das geschlechtsspezifische Gefälle bei variabler Vergütung und den Anteil der Frauen und Männer, die sie erhalten: ab 250 Beschäftigten jährlich und bei 150–249 alle drei Jahre ab dem 7. Juni 2027, bei 100–149 alle drei Jahre ab dem 7. Juni 2031.
  • Gemeinsame Entgeltbewertung, wenn ein unerklärtes Gefälle von 5 % oder mehr in einer Gruppe von Beschäftigten nicht innerhalb von sechs Monaten behoben wird.
  • Beweislast beim Arbeitgeber bei Klagen wegen Entgeltdiskriminierung; Ermessensentscheidungen über Gebiete oder Kunden brauchen daher eine Dokumentation.

Provisionen sind ein klassisches Versteck für Entgeltlücken: informell zugeteilte bessere Gebiete, Quoten, die bei Elternzeit oder Teilzeit nicht anteilig angepasst werden, oder ungleicher Zugang zu provisionsberechtigten Rollen. Beziehen Sie Provisionen in Ihr Entgeltgleichheits-Audit ein und nutzen Sie unsere Ressourcen zur Entgelttransparenz.

Häufige Fehler bei Provisionsmodellen

  • Zu viele Kennzahlen. Fünf gewichtete Ziele machen den Plan unerklärbar. Behalten Sie eine Hauptkennzahl und höchstens einen Modifikator.
  • Unerreichbare Quoten. Verfehlen die meisten Vertriebsmitarbeitenden Jahr für Jahr ihr Ziel, ist der OTE eine Fiktion, und die Fluktuation folgt.
  • Umsatzprovision, obwohl die Marge zählt. Der Vertrieb gewährt Rabatte, um abzuschließen; wechseln Sie zur Bruttomarge oder ergänzen Sie einen Rabattmodifikator.
  • Änderung des Plans mitten im Zeitraum ohne Ankündigung oder Zustimmung, was Vertrauen beschädigt und in manchen Ländern einseitig nicht zulässig ist.
  • Keine Zurechnungs- oder Rückforderungsregeln für geteilte Abschlüsse, Stornierungen, Austritte und Gebietswechsel.
  • Ein Grundgehalt unter Marktniveau, ausgeglichen durch „ungedeckelte“ Provision, die nur wenige erreichen.
  • Urlaubsentgelt und Abwesenheiten ignorieren bei der Berechnung provisionsbezogener Vergütung.
  • Nur das Grundgehalt benchmarken. Vergleichen Sie OTE und Gesamtvergütung nach Rolle und Land, zum Beispiel mit dem European Salary Benchmark Report von TalentUp und unseren Tarifen.

Quellen

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Provisionsmodell im Vertrieb?

Ein Provisionsmodell ist das Regelwerk, das Vertriebsergebnisse in variable Vergütung umwandelt: was gemessen wird (Umsatz, Marge, Stückzahlen), der Provisionssatz oder Zielbetrag, Quoten, Akzeleratoren, Obergrenzen und der Auszahlungszeitpunkt. In der Regel kommt es zu einem festen Grundgehalt hinzu.

Welches Provisionsmodell ist am verbreitetsten?

Grundgehalt plus Provision ist in Europa das häufigste Modell für angestellte Vertriebsmitarbeitende, weil ein fixes Gehalt nötig ist, um Mindestlohnregeln einzuhalten und Einkommenssicherheit zu bieten. Stufen oder Akzeleratoren oberhalb der Quote belohnen dann Übererfüllung.

Was bedeutet OTE (On-Target Earnings)?

OTE ist das gesamte Bareinkommen, das Vertriebsmitarbeitende bei 100 % Quotenerfüllung erhalten: Grundgehalt plus Zielprovision. Ein OTE von 90.000 € bei einem Pay-Mix von 60/40 bedeutet 54.000 € Grundgehalt und 36.000 € Provision bei Zielerreichung.

Wie hoch ist ein typischer Provisionssatz?

Einen universellen Satz gibt es nicht, denn er hängt von Auftragsgröße, Marge und Pay-Mix ab. In der Praxis teilt man die Zielprovision durch die Quote: 36.000 € Zielprovision bei einer Quote von 900.000 € ergeben einen Satz von 4 %.

Muss das Urlaubsentgelt in Europa Provisionen enthalten?

Ja, für den unionsrechtlichen Mindesturlaub von vier Wochen. Im Urteil Lock v British Gas (C-539/12, 2014) entschied der Gerichtshof der EU, dass das Urlaubsentgelt nicht auf das Grundgehalt beschränkt werden darf, wenn Beschäftigte regelmäßig Provisionen auf ihre Verkäufe erhalten.

Gilt die EU-Entgelttransparenzrichtlinie auch für Provisionen?

Ja. Die Richtlinie definiert Entgelt als Grundgehalt plus alle zusätzlichen oder variablen Bestandteile, sodass Provisionen erfasst sind, sobald die nationalen Gesetze gelten. Provisionsmodelle müssen auf objektiven, geschlechtsneutralen Kriterien beruhen, und Lücken bei der variablen Vergütung sind Teil der Berichterstattung über das geschlechtsspezifische Entgeltgefälle.

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Geschrieben von

Èlia Adroher i Llorens

Content Writer

Èlia studied International Business Economics with a focus on digital marketing. She is also interested in learning about data analysis.

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