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Talentmarkt

Wertschätzung am Arbeitsplatz: Was laut Forschung passiert

Was ändert sich wirklich, wenn Mitarbeitende sich wertgeschätzt fühlen? Ein verständlicher Überblick über die wissenschaftliche Evidenz, was Wertschätzung tatsächlich antreibt (und was kaum etwas bewirkt), und TalentUp-Daten 2026 dazu, wie oft Stellenanzeigen das Versprechen mit Anerkennung, Wellbeing und Karriereentwicklung untermauern.

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Gruppe von Kolleginnen und Kollegen, die in einem hellen Büro auf dem Boden sitzen und während einer Teamsitzung aufmerksam zuhören

Wertschätzung am Arbeitsplatz verändert weit mehr als die Stimmung. Jahrzehnte der Forschung zeigen: Wenn Beschäftigte überzeugt sind, dass ihre Organisation ihre Beiträge schätzt und sich um ihr Wohlbefinden kümmert, sind sie deutlich engagierter, zufriedener, vertrauensvoller und weniger wechselbereit, und sie berichten über weniger Stress und Burnout. In einer US-Umfrage der American Psychological Association gaben 93 % der Beschäftigten, die sich wertgeschätzt fühlten, an, motiviert zu sein, ihr Bestes zu geben, gegenüber 33 % derjenigen, die sich nicht wertgeschätzt fühlten.

Ebenso klar ist die Evidenz dazu, was Wertschätzung allein nicht bewirkt: Ihr Zusammenhang mit der täglichen Aufgabenleistung ist real, aber moderat, und Benefits, die Mitarbeitende einfach nur nutzen, bewegen sie kaum. Am stärksten wirken Fairness, eine unterstützende Führungskraft und echte Entwicklungsmöglichkeiten. Dieser Leitfaden fasst die begutachtete Forschung zusammen und ergänzt sie um TalentUp-Daten 2026 dazu, wie oft Arbeitgeber das Versprechen in ihren Stellenanzeigen mit konkreten Maßnahmen untermauern.

Das Wichtigste in Kürze

  • In der Wissenschaft heißt Wertschätzung wahrgenommene organisationale Unterstützung (POS, perceived organizational support); eine Metaanalyse von 558 Studien bildet die zentrale Evidenz.
  • Am stärksten hängt sie zusammen mit affektivem Commitment (ρ = 0,69), Arbeitszufriedenheit (0,65), Vertrauen in die Organisation (0,75) und geringeren Kündigungsabsichten (−0,50).
  • Der stärkste Treiber ist Fairness, insbesondere faire Verfahren (0,66) und faire Ergebnisse wie die Vergütung (0,57), gefolgt von Unterstützung durch die Führungskraft (0,60) und Entwicklungsmöglichkeiten (0,57).
  • Benefits und Zusatzleistungen, die Mitarbeitende nutzen, zeigen fast keinen Zusammenhang (0,08) mit Wertschätzung.
  • In den TalentUp-Stellenanzeigendaten 2026 erwähnen 32,1 % Karriereentwicklung, 10,8 % Unterstützung beim Wohlbefinden und nur 0,8 % ein Anerkennungsprogramm; 62,2 % erwähnen keines der drei.

Was bedeutet Wertschätzung am Arbeitsplatz?

In der Forschung hat Wertschätzung einen präzisen Namen: wahrgenommene organisationale Unterstützung (POS). Die Theorie der organisationalen Unterstützung definiert sie als die allgemeine Wahrnehmung von Beschäftigten, in welchem Ausmaß die Organisation ihre Beiträge schätzt und sich um ihr Wohlbefinden kümmert. Mitarbeitende lesen sie an vielen Signalen ab: wie Entscheidungen getroffen werden, wie sie bezahlt werden, wie ihre Führungskraft mit ihnen umgeht und ob das Unternehmen in ihre Zukunft investiert.

Zwei verwandte Konzepte tauchen häufig daneben auf:

Konzept Was es erfasst Typische Frage
Wahrgenommene organisationale Unterstützung Ob die Organisation als Ganzes mich schätzt und sich um mein Wohlbefinden kümmert „Liegt meinem Unternehmen etwas an mir?“
Anerkennung Konkrete Würdigung von Beiträgen und Ergebnissen „Wird meine Arbeit wahrgenommen?“
Psychologische Sicherheit Ob es in meinem Team sicher ist, sich zu äußern, Fragen zu stellen und Fehler zuzugeben „Kann ich ein Problem ansprechen, ohne bestraft zu werden?“
Engagement Energie, Einsatz und Hingabe bei der Arbeit selbst „Will ich mein Bestes geben?“

Anerkennung und psychologische Sicherheit gehören zu den Signalen, die das Gefühl der Wertschätzung erzeugen; Engagement, Commitment und Bindung gehören zu ihren Folgen.

Was passiert, wenn Mitarbeitende sich wertgeschätzt fühlen: die Evidenz

Die umfassendste Evidenz stammt aus einer Metaanalyse von 558 Studien von Kurtessis, Eisenberger und Kollegen, veröffentlicht im Journal of Management (2017). Die Tabelle zeigt die korrigierten Korrelationen (ρ) zwischen Wertschätzung und zentralen Ergebnissen. Als grobe Orientierung: Etwa 0,10 ist klein, 0,30 moderat und 0,50 oder mehr stark.

Ergebnis Zusammenhang mit Wertschätzung (ρ) Studien (k) Beschäftigte (N)
Vertrauen in die Organisation 0,75 23 9.362
Affektives Commitment 0,69 237 79.335
Arbeitszufriedenheit 0,65 154 64.303
Kündigungsabsicht −0,50 132 47.968
Emotionale Erschöpfung −0,47 22 6.584
Arbeitsstress −0,43 16 6.511
Freiwilliges Engagement für die Organisation (OCB-O) 0,40 44 19.235
Tatsächliche Fluktuation −0,21 15 7.933
Aufgabenleistung (alle Bewertungen) 0,19 98 24.480
Fehlzeiten −0,07 13 3.833

Quelle: Kurtessis et al. (2017), Journal of Management. ρ = um Messfehler korrigierte Korrelation.

Vier Punkte fallen auf:

  • Commitment, Zufriedenheit und Vertrauen bewegen sich am stärksten. Mitarbeitende, die sich wertgeschätzt fühlen, reagieren mit Loyalität, ein klassischer sozialer Austausch: Die Organisation investiert in sie, und sie investieren zurück.
  • Kündigungsabsichten sinken deutlich, die tatsächliche Fluktuation weniger. Der Zusammenhang mit der Fluktuation selbst (−0,21) ist schwächer als mit den Absichten (−0,50), weil ein Wechsel auch vom Arbeitsmarkt, der Vergütung und persönlichen Umständen abhängt.
  • Das Wohlbefinden verbessert sich. Wertschätzung wirkt als Ressource gegen Stress, Burnout und emotionale Erschöpfung.
  • Leistungsgewinne sind real, aber moderat. Der Effekt ist beim freiwilligen Engagement, das der Organisation hilft, stärker als bei der Kernaufgabenleistung und liegt bei Fehlzeiten nahe null.

Eine anschließende kulturübergreifende Metaanalyse mit 827 Stichproben, mehr als 332.000 Teilnehmenden und 54 Ländern (Rockstuhl et al., 2020) ergab, dass die Effekte über Kulturen hinweg gelten und in östlichen Ländern eher stärker sind als in westlichen.

Dasselbe Muster in einer großen Beschäftigtenumfrage

Die Arbeitsplatzumfrage der APA (1.714 Erwachsene in den USA, durchgeführt von Harris Interactive im Januar 2012) zeigt, wie diese Korrelationen im Alltag aussehen:

93 % vs. 33 %

sind motiviert, ihr Bestes zu geben: Beschäftigte, die sich wertgeschätzt fühlen, vs. solche, die es nicht tun

88 % vs. 38 %

geben an, sich engagiert zu fühlen

21 % vs. 50 %

wollen sich innerhalb eines Jahres eine neue Stelle suchen

21 %

der erwerbstätigen Amerikanerinnen und Amerikaner gaben an, sich von ihrem Arbeitgeber nicht wertgeschätzt zu fühlen

Quelle: Arbeitsplatzumfrage der American Psychological Association, 2012 (n = 1.714).

Umfragedaten wie diese sind korrelativ und beruhen auf Selbstauskünften. Sie können also nicht belegen, dass Wertschätzung den Unterschied verursacht. Sie weisen aber in dieselbe Richtung wie die metaanalytische Evidenz aus Hunderten unabhängiger Studien.

Von Teams zu Unternehmensergebnissen

Der Zusammenhang setzt sich auf Ebene von Geschäftseinheiten und Unternehmen fort. Die Q12-Metaanalyse von Gallup aus dem Jahr 2024 mit 183.806 Geschäftseinheiten und 3,35 Millionen Beschäftigten in 90 Ländern ergab, dass Einheiten im obersten Quartil des Mitarbeiterengagements jene im untersten Quartil im Median um 23 % bei der Profitabilität und 18 % bei der Vertriebsproduktivität übertreffen, bei 78 % weniger Fehlzeiten und 21–51 % geringerer Fluktuation. Engagement ist ein breiteres Maß als Wertschätzung, doch Anerkennung und Fürsorge für die Mitarbeitenden sind Teil davon.

Auf der finanziellen Seite zeigte die Studie von Alex Edmans im Journal of Financial Economics (2011), dass ein Portfolio der „100 Best Companies to Work For“ in den USA zwischen 1984 und 2009 jährlich 3,5 % über risikoadjustierten Benchmarks und 2,1 % über Branchenbenchmarks erzielte. Das deutet darauf hin, dass die Märkte den Wert der Mitarbeiterzufriedenheit unterschätzten.

Was Wertschätzung erzeugt (und was kaum etwas bewirkt)

Dieselbe Metaanalyse von 558 Studien hat auch gemessen, was Wertschätzung entstehen lässt. Genau hier setzen die meisten HR-Programme die falschen Prioritäten.

Treiber Zusammenhang mit Wertschätzung (ρ) Was das in der Praxis bedeutet
Mikropolitik in der Organisation −0,83 Von Günstlingswirtschaft geprägte Entscheidungen zerstören sie
Verletzung des psychologischen Vertrags −0,67 Gebrochene Versprechen zu Stelle, Vergütung oder Entwicklung
Prozedurale Gerechtigkeit 0,66 Faire, konsistente, nachvollziehbare Entscheidungsprozesse
Unterstützung durch die Führungskraft 0,60 Führungskräfte, die Rückhalt geben, helfen und zuhören
Distributive Gerechtigkeit 0,57 Faire Ergebnisse, insbesondere bei Vergütung und Beförderungen
Entwicklungsmöglichkeiten 0,57 Weiterbildung und echte Chancen, sich weiterzuentwickeln
Autonomie 0,51 Kontrolle darüber, wie die Arbeit erledigt wird
Arbeitsplatzsicherheit 0,42 Zuversicht in die Zukunft der eigenen Stelle
Familienfreundliche Maßnahmen 0,26 Regelungen für Betreuungs- und Pflegeaufgaben
Flexible Arbeitszeiten 0,21 Flexibilität bei der Arbeitszeit
Genutzte Benefits 0,08 Zusatzleistungen, die Mitarbeitende tatsächlich in Anspruch nehmen

Quelle: Kurtessis et al. (2017), Journal of Management.

Als die Autoren die Treiber gemeinsam modellierten, war Fairness der stärkste eigenständige Prädiktor für Wertschätzung (β = 0,51), weit vor der Unterstützung durch die Führungskraft (β = 0,20). Anders gesagt: Ein großzügiger Benefits-Katalog kann Entscheidungen, die Mitarbeitende als willkürlich empfinden, oder eine Vergütung, die sie für unfair halten, nicht ausgleichen.

Die APA-Umfrage weist in dieselbe Richtung. Im Vergleich zu Beschäftigten, die sich wertgeschätzt fühlten, waren diejenigen, die sich unterbewertet fühlten, deutlich seltener in Entscheidungen eingebunden (24 % vs. 84 %), zufrieden mit Wachstums- und Aufstiegsmöglichkeiten (9 % vs. 70 %), zufrieden mit ihrer Vergütung (18 % vs. 69 %) oder zufrieden mit nicht-monetären Anreizen (16 % vs. 65 %).

Anerkennung und psychologische Sicherheit: die Signale im Alltag

Wertschätzung entsteht oder schwindet in täglichen Interaktionen, und zwei der am besten untersuchten sind Anerkennung und psychologische Sicherheit.

Anerkennung ist der direkteste Weg, jemandem zu zeigen, dass sein Beitrag zählt. Sie wirkt am besten, wenn sie konkret, zeitnah und an echte Arbeit geknüpft ist; pauschales Lob und Punktesysteme, an die niemand glaubt, bringen wenig. Anerkennung steckt auch in den oben genannten Treibern „Unterstützung durch die Führungskraft“ und „faire Ergebnisse“: von der eigenen Führungskraft wahrgenommen zu werden und zu sehen, dass Belohnungen dem Beitrag folgen.

Psychologische Sicherheit, ein von der Harvard-Professorin Amy Edmondson entwickeltes Konzept, beschreibt, ob Menschen sich ohne Angst äußern, Fragen stellen und Fehler zugeben können. Eine Metaanalyse von 136 Stichproben mit mehr als 22.000 Personen und fast 5.000 Gruppen (Frazier et al., 2017) fand einen starken Zusammenhang mit Engagement, Arbeitszufriedenheit und Commitment sowie einen moderaten mit Aufgabenleistung und Hilfsverhalten. Einer ihrer Vorläufer war genau die wahrgenommene organisationale Unterstützung.

In Europa gibt es Luft nach oben. In der Europäischen Erhebung über die Arbeitsbedingungen 2024 von Eurofound, die auf 36.644 Interviews in 35 Ländern beruht, gaben 25 % der Frauen und 21 % der Männer an, sie hätten Angst, um Verbesserungen ihrer Arbeitsbedingungen zu bitten. Wer Angst hat zu fragen, fühlt sich selten wertgeschätzt.

Halten Arbeitgeber ihr Versprechen? TalentUp-Stellenanzeigendaten 2026

In Stellenanzeigen geben Unternehmen künftigen Mitarbeitenden ihr erstes öffentliches Versprechen. TalentUp hat eine Zufallsstichprobe von rund 13.000 Stellenanzeigen mit vollständiger Beschreibung analysiert, die zwischen Januar und September 2026 in 11 Ländern veröffentlicht wurden, um zu sehen, wie oft Arbeitgeber drei konkrete Maßnahmen erwähnen, die mit Wertschätzung verbunden sind: Karriereentwicklung, Unterstützung beim Wohlbefinden und Anerkennungsprogramme.

32,1 %

der Stellenanzeigen erwähnen Karriereentwicklung oder Weiterbildungsmöglichkeiten

10,8 %

erwähnen Unterstützung beim Wohlbefinden oder bei der psychischen Gesundheit

0,8 %

erwähnen ein Anerkennungsprogramm

62,2 %

erwähnen keines der drei

Quelle: TalentUp-Datenbank für Stellenanzeigen, Januar–September 2026, 11 Länder (n ≈ 13.100).

Land Stichprobe (n) Karriereentwicklung Unterstützung beim Wohlbefinden Anerkennungsprogramm
Deutschland 900 52,1 % 15,2 % 0,1 %
Spanien 1.280 38,1 % 6,8 % 0,6 %
Irland 1.380 34,7 % 16,5 % 2,8 %
Polen 510 34,6 % 6,0 % 0,6 %
Niederlande 1.510 34,2 % 4,7 % 0,1 %
Portugal 1.370 34,1 % 8,5 % 0,3 %
Vereinigtes Königreich 1.130 33,2 % 17,6 % 2,1 %
USA 950 28,4 % 16,8 % 2,6 %
Schweden 1.340 27,7 % 19,5 % 0,1 %
Italien 1.330 26,3 % 5,3 % 0,3 %
Frankreich 1.380 16,8 % 3,3 % 0,1 %

Drei Erkenntnisse für Arbeitgeber:

  • Karriereentwicklung ist das häufigste Versprechen und laut Forschung zugleich einer der stärksten Treiber von Wertschätzung (ρ = 0,57). Deutschland liegt vorn, mit häufigen Erwähnungen von Weiterbildung und Entwicklungsmöglichkeiten; Frankreich bildet mit 16,8 % das Schlusslicht.
  • Unterstützung beim Wohlbefinden konzentriert sich auf wenige Märkte: Schweden (wo der friskvårdsbidrag, ein steuerlich begünstigter Zuschuss für Fitness und Gesundheit, verbreitet ist), das Vereinigte Königreich, die USA, Irland und Deutschland, gegenüber rund 5 % oder weniger in Italien, den Niederlanden und Frankreich.
  • Anerkennungsprogramme fehlen außerhalb englischsprachiger Märkte fast vollständig (2–3 % in Irland, den USA und dem Vereinigten Königreich; 0,6 % oder weniger anderswo). Nur 0,3 % aller Anzeigen erwähnen alle drei Maßnahmen.

Zudem klafft eine Lücke zwischen Reden und Handeln. In englischsprachigen Anzeigen im Vereinigten Königreich, in Irland und den USA versprechen rund 2–3 % ausdrücklich, dass sich Menschen wertgeschätzt fühlen werden („feel valued“) oder dass „contributions are valued“. Davon erwähnt etwa ein Drittel (32 von 89 Anzeigen) keine der drei oben genannten Maßnahmen.

So fühlen sich Mitarbeitende wertgeschätzt: eine Checkliste für die Praxis

Die Forschung legt nahe, Maßnahmen nach ihrer gemessenen Wirkung zu priorisieren, nicht nach ihrer Sichtbarkeit.

  1. Gestalten Sie die Vergütung fair und nachvollziehbar. Nutzen Sie Marktgehaltsdaten und dokumentierte Gehaltsbänder, damit Sie jede Vergütungsentscheidung erklären können. Bringen Sie Marktgehälter und interne Gerechtigkeit in Einklang.
  2. Verbessern Sie Entscheidungsprozesse. Wenden Sie für Beförderungen, Gehaltserhöhungen und Boni dieselben Kriterien an, kommunizieren Sie diese und geben Sie den Menschen eine Stimme, bevor Entscheidungen fallen.
  3. Schulen Sie Führungskräfte in Unterstützung und messen Sie sie daran. Regelmäßige Einzelgespräche, Feedback und Rückhalt in schwierigen Momenten wiegen schwerer als jedes unternehmensweite Programm.
  4. Bieten Sie sichtbare Entwicklungspfade. Karrieremodelle, interne Mobilität und ein Weiterbildungsbudget; wenn das Budget für Gehaltserhöhungen knapp ist, lesen Sie, was HR neben dem Gehalt bieten kann.
  5. Halten Sie Versprechen. Die Verletzung des psychologischen Vertrags ist einer der stärksten negativen Treiber (−0,67): Werben Sie nicht mit Entwicklung, Flexibilität oder Anerkennung, die Sie nicht bieten können.
  6. Erkennen Sie Leistungen konkret und häufig an. Verknüpfen Sie Anerkennung mit konkreten Beiträgen und stellen Sie sicher, dass Ihre Bonusstrukturen belohnen, was Menschen beeinflussen können.
  7. Behandeln Sie Wellbeing als Teil des Systems, nicht als Zusatzleistung. Arbeitsbelastung, Autonomie und Flexibilität stehen an erster Stelle; siehe ganzheitliches Wohlbefinden in Vergütung und Benefits.
  8. Messen Sie sie. Nehmen Sie POS-Fragen in Ihre Engagement-Umfragen auf („Meine Organisation schätzt meinen Beitrag“, „Meine Organisation kümmert sich um mein Wohlbefinden“) und verfolgen Sie sie im Verhältnis zu Kündigungsabsichten und bedauerter Fluktuation.

Faire Vergütung: Wo Wertschätzung auf Entgelttransparenz trifft

Faire Ergebnisse, insbesondere die Vergütung, gehören zu den stärksten Treibern von Wertschätzung, und in Europa werden sie zunehmend auch zu einer rechtlichen Frage. Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie (2023/970) musste bis zum 7. Juni 2026 umgesetzt werden, und ihre Pflichten gelten, sobald die nationalen Gesetze in Kraft treten. Wo sie gilt, können Beschäftigte Auskunft über ihre eigene Entgelthöhe und das durchschnittliche Entgelt von Kolleginnen und Kollegen verlangen, die gleiche oder gleichwertige Arbeit verrichten, aufgeschlüsselt nach Geschlecht.

Arbeitgeber mit 250 oder mehr Beschäftigten müssen ab dem 7. Juni 2027 jährlich über ihr geschlechtsspezifisches Entgeltgefälle berichten, solche mit 150–249 alle drei Jahre ab demselben Datum und solche mit 100–149 alle drei Jahre ab dem 7. Juni 2031. Wird ein nicht erklärbares Gefälle von 5 % oder mehr nicht innerhalb von sechs Monaten behoben, ist eine gemeinsame Entgeltbewertung erforderlich, und in Fällen von Entgeltdiskriminierung liegt die Beweislast beim Arbeitgeber.

Für HR wird wahrgenommene Entgeltgerechtigkeit damit zu etwas, das Beschäftigte überprüfen können. Unternehmen, die bereits transparente Gehaltsspannen in Stellenanzeigen und konsistente Vergütungsstrukturen nutzen, sind besser aufgestellt; die vollständige Checkliste finden Sie unter wie sich HR-Teams auf die EU-Entgelttransparenzrichtlinie vorbereiten können. Das Entgelttransparenz-Tool von TalentUp und der European Salary Benchmark Report helfen Ihnen zu prüfen, ob Ihre Vergütung marktgerecht ist.

Fazit

Die Wissenschaft zur Wertschätzung am Arbeitsplatz ist eindeutig: Beschäftigte, die überzeugt sind, dass ihre Organisation ihre Beiträge schätzt und sich um ihr Wohlbefinden kümmert, sind engagierter, zufriedener, vertrauensvoller, weniger gestresst und deutlich seltener wechselwillig. Der Effekt auf die Leistung ist kleiner, aber real, und die Effekte auf Team- und Unternehmensebene sind messbar.

Die unbequemere Erkenntnis betrifft die Ursachen. Faire Prozesse, faire Vergütung, unterstützende Führungskräfte und echte Entwicklungsperspektiven zählen weit mehr als Benefits. Die TalentUp-Daten 2026 zeigen, dass die meisten Stellenanzeigen noch immer keine der konkreten Maßnahmen versprechen, auf denen Wertschätzung beruht. Arbeitgeber, die es tun und anschließend auch liefern, haben daher einen klaren Vorteil.

Quellen

Häufig gestellte Fragen

Was passiert, wenn Mitarbeitende sich am Arbeitsplatz wertgeschätzt fühlen?

Die Forschung verbindet Wertschätzung durchgängig mit deutlich höherem affektivem Commitment, höherer Arbeitszufriedenheit und mehr Vertrauen, weniger Kündigungsabsichten und weniger Burnout. In einer Umfrage der APA gaben 93 % der Beschäftigten, die sich wertgeschätzt fühlten, an, motiviert zu sein, ihr Bestes zu geben, gegenüber 33 % derjenigen, die sich nicht wertgeschätzt fühlten.

Was ist wahrgenommene organisationale Unterstützung?

Das ist der wissenschaftliche Begriff für Wertschätzung: die allgemeine Überzeugung von Beschäftigten, dass die Organisation ihre Beiträge schätzt und sich um ihr Wohlbefinden kümmert. Eine Metaanalyse von 558 Studien (Kurtessis et al., 2017) ist die wichtigste Evidenzbasis.

Wodurch fühlen sich Mitarbeitende am stärksten wertgeschätzt?

Fairness ist der stärkste Prädiktor, insbesondere faire Verfahren und faire Vergütung, gefolgt von unterstützenden Führungskräften und echten Entwicklungsmöglichkeiten. Benefits, die Mitarbeitende nutzen, zeigten in derselben Metaanalyse fast keinen Zusammenhang mit Wertschätzung.

Verbessert Wertschätzung die Leistung?

Ja, aber weniger stark als Einstellungen und Bindung. Der Zusammenhang mit der Aufgabenleistung ist moderat (korrigierte Korrelation von etwa 0,19), während die Zusammenhänge mit Commitment (0,69) und Kündigungsabsichten (-0,50) deutlich stärker sind.

Wie häufig sind Anerkennungsprogramme in Stellenanzeigen?

Selten. In der TalentUp-Stichprobe 2026 mit rund 13.000 Stellenanzeigen aus 11 Ländern erwähnen 0,8 % ein Anerkennungsprogramm, gegenüber 10,8 %, die Unterstützung beim Wohlbefinden nennen, und 32,1 %, die Karriereentwicklung erwähnen.

Gehört die Vergütung zur Wertschätzung?

Ja. Distributive Gerechtigkeit, also die wahrgenommene Fairness von Ergebnissen wie der Vergütung, hängt stark mit Wertschätzung zusammen. In der APA-Umfrage waren nur 18 % der Beschäftigten, die sich unterbewertet fühlten, mit ihrem Gehalt zufrieden, gegenüber 69 % derjenigen, die sich wertgeschätzt fühlten.

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Geschrieben von

Albert Mercadé Laborda

Marketing Manager

Albert verantwortet Marketing und Growth bei TalentUp und arbeitet an der Schnittstelle von HR, Compensation & Benefits und Entgelttransparenz. Er macht aus den Gehaltsdaten von TalentUp praxisnahe Leitfäden, mit denen HR- und Total-Rewards-Teams Gehälter mit dem Markt vergleichen, faire Vergütungsstrukturen aufbauen und sich auf die EU-Entgelttransparenzrichtlinie vorbereiten.

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